Für Auszubildende ändert sich mit dem Beginn der Ausbildung meist ihr ganzes Leben: Anstatt die Schulbank zu drücken, betreten sie eine neue und aufregende Arbeitswelt. Daher ist es wichtig, dass sowohl Auszubildende als auch Ausbilder diesem Neuanfang die nötige Aufmerksamkeit schenken, um die Ausbildung erfolgreich zu gestalten:
Einführung und Orientierung
Sie haben alle notwendigen Dinge vorbereitet und sind nun bereit für den ersten Ausbildungstag. Dieser bleibt den meisten Azubis lange Zeit in Erinnerung. Man lernt sich kennen, Abläufe werden besprochen und alle notwendigen Formalien werden geklärt. Damit Sie bzw. der Betrieb einen guten ersten Eindruck bei Ihren Auszubildenden hinterlassen, denken Sie am ersten Tag an folgende Aspekte:
Begrüßung
Zur Begrüßung ist es eine schöne Geste, wenn die Führungskraft die neuen Auszubildenden persönlich im Betrieb willkommen heißt.
Betriebsrundgang
Damit sich die Auszubildenden schnell im Betrieb zurechtfinden, ist es sinnvoll, einen Betriebsrundgang am ersten Ausbildungstag einzuplanen.
Kolleginnen / Kollegen vorstellen und Azubi einbeziehen
Teil des Betriebsrundgangs kann es sein, die Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, was aber auch in einer separaten Begrüßungsrunde geschehen kann.
Wichtige Regeln des Betriebs erläutern
Es sollte behandelt werden, was im Betrieb erlaubt ist und was gegebenenfalls nicht gerne gesehen wird. Darunter fallen zum Beispiel Punkte wie das Rauchen oder die Handynutzung am Arbeitsplatz (zum Beispiel unter welchen Umständen ein Azubi auch privat telefonieren oder Nachrichten empfangen darf – beispielsweise, wenn jemand erkrankt ist oder wichtige Nachrichten anstehen). Bei der Ausbildung von Minderjährigen sollte das Jugendarbeitsschutzgesetz aufgehängt oder ausgelegt sein. Dieses sollten Sie mit den Auszubildenden bei Bedarf durchgehen.
Kommunikationsweise im Unternehmen erläutern
Auch die Frage nach dem Duzen oder Siezen sollte möglichst direkt am Anfang geklärt werden. Falls sich alle Mitarbeitenden im Betrieb duzen, sollten Sie dies den Auszubildenden auch anbieten, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlen. Falls nicht, kann dies trotzdem Erwähnung finden, damit die Azubis Klarheit haben.
Ausbildungsplanung
Mit einer guten Ausbildungsplanung schaffen Sie eine solide Basis für eine erfolgreiche Ausbildung. Grundlage dessen ist die für den Beruf gültige Ausbildungsordnung mit dem dazugehörigen Ausbildungsrahmenplan. Dort ist festgelegt, was während der Ausbildungszeit gelernt werden soll.
Interaktiver Rahmenlehrplan Bäckereifachverkäufer/in
Interaktiver Rahmenlehrplan Bäcker/in
Regelmäßige Feedback-Gespräche sowie das regelmäßige Führen des Berichtshefts können gewährleisten, dass Ihre Ausbildungsplanung effektiv umgesetzt wird.
Eine strukturierte Ausbildungsplanung ist eine wichtige Grundlage, um gut ausgebildete Nachwuchskräfte für Ihren Betrieb zu gewinnen.
Ausbildungsnachweis
Ein Ausbildungsnachweis – auch Berichtsheft genannt – ist für Auszubildende gesetzlich vorgeschrieben. Hier sind die wichtigsten Informationen auf einen Blick.
Laut Berufsbildungsgesetz (BBiG § 13 Nr. 7 und § 14 Abs. 1 Satz 4 sowie den Ausbildungsverordnungen sind Auszubildende verpflichtet, ein Berichtsheft zu führen. Ausbildende müssen dies ermöglichen und regelmäßig kontrollieren.
Das Berichtsheft kann analog oder elektronisch geführt werden. Die Form wird im Ausbildungsvertrag festgelegt. Seit dem 1. Oktober 2017 ist auch die digitale Form zulässig. Empfohlen ist eine wöchentliche Dokumentation.
Erfasst werden betriebliche Tätigkeiten, Unterweisungen, Berufsschulinhalte, überbetriebliche Maßnahmen sowie Fehlzeiten. Das Ziel ist eine vollständige, nachvollziehbare Dokumentation.
Auszubildende füllen das Berichtsheft selbstständig aus. Ausbildende kontrollieren es regelmäßig.
Ein ordnungsgemäß geführtes Berichtsheft ist Voraussetzung zur Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 43 BBiG, § 36 HWO). Es wird bei Prüfungsanmeldung eingereicht, fließt jedoch nicht in die Bewertung ein.
Das Führen des Berichtshefts ist während der Arbeitszeit erlaubt.
Auszubildende im Bäckerhandwerk profitieren von einem digitalen Berichtsheft des Zentralverbandes, das die Dokumentation der Aufgaben und Tätigkeiten vereinfacht und so die Ausbildungsqualität verbessert. Auch Betrieben und Ausbildern kommt die App zugute: Die übersichtliche und transparente Darstellung der Ausbildungsnachweise in der App ermöglicht es, alle Auszubildende und ihre Lernfortschritte zuverlässig im Blick zu behalten. Jetzt kostenlos die BDDZ-Azubi App testen: https://app.bddz.de/
Tarifvertrag für Auszubildende
Der Zentralverband und die NGG haben einen Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen abgeschlossen, um die Branche zukunftsfähig und attraktiv auszurichten. Wir haben für Sie häufig gestellte Fragen und die entsprechenden Antworten aufgelistet, damit Sie sich schnell mit den Besonderheiten des Tarifvertrages vertraut machen können:
https://www.baeckerhandwerk.de/service/nachwuchs-und-fachkraeftesicherung/tarifvertrag
Ausbildung leicht gemacht: Zentralverband unterstützt mit digitalem Azubi Campus
Mit dem neuen Azubi Campus auf der Website der Nachwuchskampagne Back dir deine Zukunft können Auszubildende in vielseitigen Video-Tutorials das Gelernte wiederholen, auffrischen und sich so für Prüfungen fit machen. Über 100 Videos stehen den Auszubildenden der Berufsfelder Bäcker/in und Fachverkäufer/in zu übergreifenden Themen, praktischen Techniken und Fertigungsverfahren sowie theoretischen Lerninhalten zur Verfügung, beispielsweise „Getreidearten und Mehltypen“, „Grundlagen Blätterteig“, „Hygiene hinter der Theke“ oder „Umgang mit Reklamationen“. Die Lern-Tutorials werden sukzessive erweitert.
Hier geht es zum Azubi Campus: https://www.back-dir-deine-zukunft.de/azubi-campus
Kostenfreie Erfolgstrainer-Kurse für zwölf Monate
In Kooperation mit dem Verlag Europa-Lehrmittel bietet der Zentralverband Auszubildenden für zwölf Monate einen kostenlosen Zugang zu den Erfolgstrainer-Gesamtkursen im Bäckerhandwerk an. Die Kurse vermitteln den wesentlichen und prüfungsrelevanten Lernstoff und ermöglichen das individuelle Abprüfen des Wissens mit sofortiger Lösungskontrolle. Die Kurse sind in Kataloge gegliedert, die sich auf Lernfelder der drei Ausbildungsjahre im Rahmenlehrplan beziehen. Auszubildende können sich im Azubi Campus zu den Erfolgstrainer-Kursen kostenlos anmelden.
https://www.back-dir-deine-zukunft.de/azubi-campus
Mit wenigen Klicks Lern- und Arbeitsaufgaben erstellen
Der Zentralverband bietet Ausbildungsbetrieben außerdem einen kostenlosen Zugang zur Online-Anwendung „Aufgaben-Manager“. Mit dieser können handlungsorientierte Lern- und Arbeitsaufgaben erstellt werden.
Der Aufgaben-Manager ist ein browserbasiertes Tool, das vom Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen speziell für die Bedürfnisse von Ausbildungsbetrieben entwickelt wurde. Nach einer erfolgreichen Erprobungsphase stellt der Zentralverband die Anwendung allen Mitgliedsbetrieben kostenlos zur Verfügung. Das Besondere: Nutzerinnen und Nutzer können auf einen Pool an Aufgaben zugreifen, der von ADB-Fachlehrerinnen und Fachlehrern erstellt und zur Verfügung gestellt wird.
https://zvbhw-am.kwst.uni-bremen.de/release/p/kxlT0FK7nKQ1
Da es einige Neuerungen beim Aufgaben-Manager gibt, bietet der Zentralverband in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie Weinheim im September Online-Workshops auf Leando, der Plattform für Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Prüferinnen und Prüfer, an. Mit einer Vielzahl von Funktionen, die speziell auf die Bedürfnisse des Ausbildungs- und Prüfungspersonals zugeschnitten sind, bietet das Portal vielfältige Vorteile.
Zum Schluss möchten wir noch auf den Online-Leitfaden des Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB hinweisen. Dieser gibt anschauliche Anregungen zum Ausbildungsalltag und stellt gute Beispiele vor, wie auch schwierige Situationen gemeistert werden können.
Die Gewinnung und Ausbildung von Nachwuchskräften ist der Schlüssel, um sich vom externen Arbeitsmarkt unabhängig zu machen und die Nachwuchsfrage selbst zu gestalten.
Stand: 19. August 2026