„Die anhaltend wirtschaftliche Schwäche Deutschlands geht auch am Bäckerhandwerk nicht spurlos vorbei. Unsere Betriebe brauchen endlich bessere Rahmenbedingungen statt politischer Blockaden“, bringt es Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks auf den Punkt. „Wir brauchen mutige Strukturreformen und ein Ende der Grabenkämpfe in der Koalition. Die Politik muss liefern.“ Mit Blick auf die aktuelle Regierungsumbildung und die geplante Neuaufstellung der SPD mahnte Ermer an, dass daraus konkrete politische Fortschritte entstehen müssten.
Arbeitszeitrecht und Bürokratieabbau bleiben zentrale Forderungen
Besonders dringlich ist aus Sicht des Zentralverbandes die Aufhebung des sogenannten Sonntagsbackverbotes. Die geltende Begrenzung der Sonn- und Feiertagsarbeit auf drei Stunden beim Backen werde den heutigen Produktions- und Lieferanforderungen des Bäckerhandwerks nicht mehr gerecht.
„Unsere Betriebe brauchen ausreichend Zeit, um ihre Kunden auch an den Folgetagen zuverlässig mit frischen Backwaren zu versorgen. Eine Reform kann zugleich Beschäftigten zugutekommen, wenn sie mehr Möglichkeiten erhalten, von Sonn- und Feiertagszuschlägen zu profitieren“, erklärte Ermer. Das Bäckerhandwerk müsse endlich, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, in den Ausnahmekatalog des Arbeitszeitgesetzes aufgenommen werden. Es sei weder nachvollziehbar noch länger hinnehmbar, dass noch kein Gesetzentwurf zur Umsetzung des Koalitionsvertrages vorliegt. Auch beim Bürokratieabbau erwartet der Verband dringend weitere Fortschritte. Dazu gehört für ihn die Abschaffung der Bonpflicht. „Wir brauchen Regeln, die den betrieblichen Alltag erleichtern, statt zusätzliche Kosten und Bürokratie zu verursachen. Bei der Bonpflicht ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, so Ermer weiter.
Der Zentralverband sieht sich mit seiner strategischen Ausrichtung auf die politische Interessenvertretung in Berlin und Brüssel bestätigt. Gerade europäische Gesetzgebung beeinflusse die Betriebe zunehmend unmittelbar. Die Debatte um die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) zeige, wie wichtig es sei, frühzeitig auf Gesetzgebungsverfahren in Brüssel einzuwirken und die praktischen Folgen für Handwerksbetriebe deutlich zu machen.
Energieversorgung: Keine Einheitslösung für die Backstube
Wie die Energieversorgung des Bäckerhandwerks künftig aussehen kann, diskutierten auf der Jahrestagung Bäckermeister Jürgen Hinkelmann, Energieexperte Dirk-Siegfried Hübner, MIWE-Energieberater Peter Immerath, Patrick Beyer vom Energieversorger Südbayern sowie Ministerialrat Dr. Stefan Kresse, zuständig für Energiepolitik im Bayerischen Wirtschaftsministerium. Eine zentrale Erkenntnis der Diskussion: Ob Gas, Elektrifizierung oder hybride Systeme – welche Lösung wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Betrieb und Standort ab. Pauschale Antworten gibt es nicht. Entscheidend sind bezahlbare Energie, Versorgungssicherheit und langfristige Planungsperspektiven.
Bäckermeister Jürgen Hinkelmann betonte die wachsende Bedeutung eines professionellen Energiemanagements, um die Kosten im Griff zu behalten und im Wettbewerb bestehen zu können. Energieexperte Dr. Dirk-Siegfried Hübner rechnet künftig mit einer stärkeren Verbreitung hybrider Versorgungslösungen. MIWE-Energieexperte Peter Immerath verwies auf die zunehmende Bedeutung von Batteriespeichern, die Betrieben helfen können, Kosten zu senken, ihren Energiebezug besser zu steuern und resilienter zu werden. Patrick Beyer vom Energieversorger Südbayern betonte, dass langjährige Kontrakte bei Gas und Strom zumindest ein Stück weit Planungssicherheit geben können. Ministerialrat Dr. Stefan Kresse erläuterte die Herausforderungen, die sich bei der praktischen Umsetzung der von der Politik beschlossenen Energiewende stellen.
„Für das Bäckerhandwerk steht fest: Die Betriebe sollten sich mit den eigenen Möglichkeiten in diesem Bereich beschäftigen und ihre Energieversorgung an die jeweiligen regionalen, technischen und wirtschaftlichen Bedingungen anpassen. Dafür brauchen sie verlässliche politische Rahmenbedingungen, einen konsequenten Netzausbau und Planungs- und Investitionssicherheit“, fasst Hauptgeschäftsführer Dr. Friedemann Berg zusammen
Zentralverband ernennt zwei neue Ehrenmitglieder
Für ihrs langjähriges ehrenamtliches Engagement und ihre herausragenden Verdienste für das Bäckerhandwerk wurden Bäckermeister Fritz Trefzger vom Landesverband Südwest und Bäckermeister Dietmar Baalk vom Bäckerinnungsverband Niedersachen/Bremen zu Ehrenmitgliedern des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks ernannt.