In den vergangenen Tagen wurde in Supermärkten in mehreren Städten durch Cyberattacken die Kühltechnik ausgeschaltet. Die Händler haben dadurch hohe Verluste zu beklagen. Am Donnerstag wurde über einen Angriff auf die Kühlanlagen, in denen Blutkonserven gelagert werden, berichtet. Auch erste Betriebe des Lebensmittelhandwerks sind betroffen, hierüber berichtete gestern das bayerische Metzgerhandwerk. Angesichts der europaweiten Dimension ist davon auszugehen, dass die Angriffe nicht unkoordiniert, sondern von staatlichen Institutionen in Ländern erfolgen, die in den vergangenen Jahren Deutschland und Europa wiederholt hybrid oder ganz direkt angreifen.
Wie gehen die Täter vor?
• Ungesicherte IoT-Verbindungen: Moderne Kühltheken und gewerbliche Kühlanlagen hängen zwecks Fernwartung oder Temperaturüberwachung oft direkt und ungeschützt am Internet.
• Standard-Passwörter: Viele Anlagen wurden von Herstellern oder Betreibern mit den Werkseinstellungen und Standard-Passwörtern online gelassen. Mithilfe von KI-Suchwerkzeugen können Hacker solche ungesicherten Lücken im Netz heute vollautomatisch und rasant aufspüren.
• Der Hintergrund: Experten vermuten hinter den Sabotageakten einen großangelegten Test von Cyberkriminellen, um herauszufinden, wie leicht sich die kritische Lebensmittel-Infrastruktur stören und die Bevölkerung verunsichern lässt.
Was können Sie jetzt tun?
Das BSI hat eine dringende Warnung herausgegeben. Gewerbebetriebe, Gastronomen, Bäcker und Fleischereien sollten folgende Sofortmaßnahmen ergreifen:
1. Nehmen Sie nicht einfach Systeme wahllos vom Netz!
2. Sprechen Sie dringend mit ihrem Kältetechniker, ob Sie ein System verwenden, das von außen angreifbar ist!
3. Betroffene Software möglicherweise vom Netz trennen: Steuerungsgeräte der Kühlanlagen nach Rücksprache mit ihrem Kältetechniker möglicherweise vom öffentlichen Internet trennen. Möglicherweise gibt es hierzu Updates, sofern dies überhaupt etwas hilft! Die Überwachung der Kühlräume funktioniert in den meisten Fällen trotzdem weiter, kann aber dann erstmal nicht mehr aktiv von außen geregelt werden.
4. Zugänge absichern: Fernwartungszugänge ausschließlich über eine verschlüsselte VPN-Verbindung sowie mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) betreiben.
5. Passwörter ändern: Alle Standard- und Werkspasswörter der Anlagen nach Rücksprache mit ihrem Kältetechniker und EDV-Admin durch starke, individuelle Kennwörter ersetzen.
Stand: 6.11.2026