Operationsplan Deutschland
Gastredner war zu Beginn der Mitgliederversammlung Generalleutnant André Bodemann, der vor den Teilnehmern und Gästen aus der Fachpresse und Branche über den Operationsplan Deutschland als gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe referierte. Deutschland stehe einer deutlichen Bedrohungslage gegenüber; man beobachte einen kontinuierlichen Anstieg hybrider Angriffe auf kritische Infrastruktur und Wirtschaftsunternehmen. „Das Ziel sind wir alle“, brachte es Generalleutnant Bodemann auf den Punkt. Um darauf zu reagieren, müssten sich der Staat, aber auch die Wirtschaft und damit die Unternehmen resilienter aufstellen. „In den kommenden Jahren müssen Gesellschaft, Wirtschaft und der Staat entsprechende Strukturen aufbauen, um auf Krisen im In- und Ausland sowie auf hybride Angriffe verschiedener Akteure vorbereitet zu sein.“
„Der Operationsplan Deutschland, der in den vergangenen Monaten vonseiten der Bundeswehr mit allen Ressorts, den Ländern sowie den Behörden und Organisationen mit und ohne Sicherheitsaufgaben erarbeitet wurde, sei schon sehr konkret und auch umsetzbar“, so Bodemann weiter.
Dem Bäckerhandwerk als Grundversorger mit dezentralen Strukturen komme dabei eine Schlüsselrolle für die zivile Verteidigung und die Unterstützung der Streitkräfte zu, so Bodemann. Der Auftrag der Betriebe des Bäckerhandwerks sei es, in Krisenzeiten eine gewisse Normalität zu wahren und den Bedarf an Grundnahrungsmitteln der Bevölkerung zu sichern, so Bodemann. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sei essenziell; dazu sei es wichtig, entsprechende Vorkehrungen für den Krisenfall zu treffen und Strukturen dafür zu schaffen. Die Unternehmen selbst müssten resilienter werden und sich für Krisenzeiten wappnen. Dazu gehöre es, entsprechende Notfallausrüstung vorzuhalten, etwa Notstromaggregate und Speicher anzuschaffen, die unternehmenseigene IT vor Hacker- und Cyberangriffen zu schützen und abzusichern sowie das Personal hinsichtlich der Verfügbarkeit im Krisenfall zu analysieren und zu vermerken, wer unabkömmlich wäre, falls es zu einem Krisenfall käme.
“Wir müssen uns damit befassen. Wir müssen Dinge vorhalten in der Hoffnung, dass wir sie nie brauchen. Sie sind wichtige Multiplikatoren – geben Sie dies weiter”, appellierte Generalleutnant Bodemann an die Anwesenden.
Generalleutnant Bodemann wies in seinem Vortrag auf das vom Zentralverband erstellte Merkblatt “Vorsorgemaßnahmen für Betriebe in Zeiten veränderter Sicherheitslage”, das Betriebe für das Thema sensibilisieren soll. Es gibt konkrete Anregungen, was Bäckereien tun können, um sich bestmöglich gegen mögliche Risikoszenarien zu wappnen. Das Merkblatt steht unterhalb im Download zur Verfügung.
Bericht des Präsidiums und Hauptgeschäftsführers
Anschließend erstatteten das Präsidium sowie Hauptgeschäftsführer Friedemann Berg den Mitgliedern Bericht über die Aktivitäten des ZV in den vergangenen Monaten. Als Fazit wurde festgehalten, dass der ZV in den vergangenen Monaten engagierte Arbeit geleistet hat. So wurden zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern zu den verschiedenen Themen und Positionen des ZV geführt, außerdem mehrere Allianzen mit anderen Verbänden, etwa zum Thema Zuckersteuer und Tierhaltungskennzeichnungsgesetz geschlossen. Vor allem die Grüne Woche im Januar 2026 sei ein großer Erfolg gewesen: Der Stand des Zentralverbandes wurde erneut zum Anziehungspunkt für Verbraucherinnen und Verbraucher, und es fanden dort dutzende Gespräche mit Politikerinnen und Politikern statt. Die Brotkorbübergabe zum Tag des Deutschen Brotes 2026 an Bundeskanzler Friedrich Merz konnte genutzt werden, um mit dem Kanzler über Anliegen des Bäckerhandwerks zu sprechen.
Hauptgeschäftsführer Friedemann Berg fasste in seinem Bericht zusammen, dass es derzeit viele offene Baustellen und eine Bundesregierung gibt, die mit notwendigen Reformvorhaben nicht da ist, wo sie sein sollte. Die Reform des Arbeitszeitgesetzes stehe beim Verband ganz weit oben auf der Agenda. Der ZV erwartet, dass die Bundesregierung hierzu noch vor der Sommerpause einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegt. Die Zuckersteuer sei ein großes Ärgernis aus Sicht des Bäckerhandwerks: Auch wenn sie zunächst nur Softgetränke betreffen soll, bestehe doch die Befürchtung, dass diese Steuer bzw. Abgabe in Zukunft auch auf Backwaren ausgedehnt wird, so Friedemann Berg weiter. Auch beim drohenden Verbot der bedarfsunabhängigen Beköderung mit Rodentiziden kämpfe der Verband weiterhin für eine praxisgerechte Lösung.
Ein Lichtblick sind aus Sicht des ZV die Ausbildungszahlen: Bereits zum zweiten Mal in Folge konnten die Azubizahlen gegen den allgemeinen Trend zweistellig gesteigert werden. Des Weiteren wurde in den Berichten auf die Erfolge der Interessenvertretung der Verbände des Bäckerhandwerks verwiesen, etwa die nochmalige zeitliche Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung, die Korrektur der Entscheidung des Umweltbundesamtes zum Christstollen Ende 2025, die vom ZV geforderte und erreichte Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen im Vor-Ort-Verzehr auf 7 % zum 1.1.2026 sowie die Entlastungen für die Betriebe durch den Wegfall der Gasspeicherumlage, die Absenkung der Netzentgelte und die Beibehaltung der Stromsteuererstattung für das produzierende Gewerbe.
Des Weiteren wurden von den Mitgliedern des Präsidiums die zahlreichen Projekte des Zentralverbandes in der beruflichen Bildung sowie die umfangreichen Presse- und Social-media-Aktivitäten des Zentralverbandes dargestellt.
Berichte der neuen Doppelspitze der ADB Weinheim und Haushaltsbeschlüsse
ADB-Geschäftsführer Muschelknautz und Stumpf berichteten zudem über die Arbeit und positive Entwicklung der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Weinheim.
Die Mitgliederversammlung bereitete des Weiteren Beschlüsse zur Verabschiedung der Jahresrechnung 2025 vor, die auf der Jahrestagung am 11./12. Oktober in Ingolstadt behandelt werden sollen.
Stand: 08. Mai 2026