Wie kann die Lebensmittelversorgung in Deutschland auch in Krisen verlässlich gesichert werden? Mit dieser Frage haben sich im Juli rund 20 Verbände und Organisationen der Lebensmittelverarbeitung bei einem Strategie-Workshop in Berlin beschäftigt. Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks beteiligte sich an dem Austausch. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft der Universität Freiburg. Grundlage war eine Studie zum Strukturwandel in der deutschen Lebensmittelverarbeitung. Diese beschreibt einen deutlichen Rückgang kleiner und handwerklicher Betriebe. Als Ursachen nennt sie unter anderem wirtschaftlichen Druck, Fachkräftemangel und bürokratische Hürden. Eine widerstandsfähige Ernährungswirtschaft benötigt jedoch nicht nur große Produktionsstandorte und überregionale Lieferketten. Dezentrale handwerkliche Betriebe sorgen für regionale Verarbeitungskapazitäten, Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie kurze Versorgungswege. Bäckereien sind nahezu flächendeckend vertreten und können dadurch gerade in angespannten Versorgungslagen eine wichtige Rolle übernehmen.
Damit diese Strukturen erhalten bleiben, müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, funktionierende Transportwege, ausreichend Personal sowie praktikable Regelungen für den Krisenfall. Ebenso wichtig ist, dass das Lebensmittelhandwerk in staatliche Vorsorgeplanungen und Übungen einbezogen wird. Der Workshop soll der Auftakt für eine längerfristige, wissenschaftlich begleitete Zusammenarbeit sein. Innovative Lösungsansätze aus einzelnen Branchen sollen systematisch gesammelt, bewertet und für andere Bereiche nutzbar gemacht werden. Eine Folgeveranstaltung und ein gemeinsamer Aktionsplan sind geplant. Der Zentralverband wird diesen Prozess weiter begleiten und die besonderen Anforderungen des Bäckerhandwerks einbringen, denn Versorgungssicherheit beginnt nicht erst im akuten Krisenfall. Sie setzt voraus, dass regionale Produktionsstrukturen wirtschaftlich bestehen können und frühzeitig in die Vorsorge einbezogen werden.
Quelle: Universität Freiburg: Ernährungswirtschaft krisenfest machen
Stand: 19. August 2026