Eine neue Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg stellt die Wirksamkeit dieses Instruments jedoch grundsätzlich infrage. Nach den Berechnungen dieser neuen Studie erfassen kommunale Verpackungssteuern lediglich 0,7 Prozent des gesamten Verpackungsverbrauchs in Deutschland. Selbst bei einer bundesweiten Einführung würde das gesamte Verpackungsaufkommen demnach nur um 0,04 Prozent sinken. Die deutschen Treibhausgasemissionen würden um lediglich 0,0013 Prozent reduziert. Diesen begrenzten ökologischen Effekten stehen erhebliche Belastungen gegenüber. Die Studie rechnet mit zusätzlichen Dokumentationspflichten, Anpassungen der Kassensysteme und Schulungsaufwand in den Betrieben. Für die Kommunen entstehen Kosten für Einführung, Erhebung und Kontrolle der Steuer. Sie werden auf 10 bis 15 Prozent des Steueraufkommens beziffert. Besonders betroffen sind Bäckereien mit einem umfangreichen To-go-Angebot. Für Becher, Schalen oder Lebensmittelverpackungen können neben den bereits bestehenden Systembeteiligungsentgelten und Zahlungen in den Einwegkunststofffonds zusätzliche kommunale Abgaben anfallen. Nach der Studie unterliegen 89 Prozent der erfassten Verpackungsmengen bereits anderen regulatorischen Instrumenten und Abgaben. Je nach kommunaler Satzung müssen Bäckereien außerdem Produkte und Verpackungsarten einzeln zuordnen, ihre Kassensysteme anpassen und Nachweise für mögliche Kontrollen vorhalten.
Der Zentralverband sieht sich durch die Untersuchung in seiner Kritik bestätigt. Kommunale Einzelregelungen führen zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Steuersätze, Definitionen und Nachweispflichten. Das belastet insbesondere Betriebe mit Filialen in mehreren Städten. Statt immer neuer lokaler Abgaben braucht es eine einheitliche und praxistaugliche Verpackungspolitik, die Abfälle tatsächlich vermeidet und bestehende Mehrweglösungen stärkt.
Die Untersuchung wurde von der Deutschen Industrie- und Handelskammer, dem Bundesverband der Systemgastronomie und weiteren Wirtschaftsverbänden in Auftrag gegeben. Ihre Ergebnisse liefern wichtige Argumente für die weitere politische Debatte. Der Zentralverband wird sich weiterhin gegen zusätzliche kommunale Belastungen des Außer-Haus-Geschäfts einsetzen.
Eine Kurzfassung der Studie finden Sie beispielsweise auf der Website des HDE. Die Langversion kann bei der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH angefordert werden.
Stand: 19. August 2026