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Handwerksbäcker schlagen Alarm wegen kommunaler Verpackungssteuer

Das deutsche Bäckerhandwerk warnt eindringlich vor den Folgen kommunaler Verpackungssteuern. Anlass ist eine aktuelle Umfrage der IHK Freiburg, die nach der Einführung der kommunalen Verpackungssteuer in Freiburg ein alarmierendes Bild zeichnet. Die Umfrageergebnisse belegen: Die Steuer schadet sowohl den mittelständischen Betrieben als auch mittelbar den Städten und Gemeinden selbst. Sie belastet Betriebe mit Bürokratie und Kosten, schadet aber auch dem innerstädtischen Handel und Gewerbe und droht Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen zu mindern.

Berlin, 02.06.2026. „Die kommunale Verpackungssteuer entwickelt sich für viele Handwerksbäckereien zu einem echten Belastungstest“, erklärt Roland Ermer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. „Weniger Umsatz, mehr Bürokratie und täglicher Streit mit Kunden – genau das dürfen wir unseren Betrieben in dieser wirtschaftlichen Lage nicht auch noch zumuten.“

Besonders betroffen ist das klassische To-go-Geschäft der Handwerksbäckereien. Laut Umfrage der IHK Freiburg unter 107 Betrieben berichten 66,3 Prozent der Betriebe von Umsatzrückgängen bei Kaffee und Heißgetränken zum Mitnehmen, 63,2 Prozent bei warmen Speisen to go. Knapp die Hälfte verzeichnet einen Rückgang bei einwegverpackten Mitnahmeartikeln. „Für viele Bäckereien ist das To-go-Geschäft ein wichtiger Umsatzträger. Wenn Kunden plötzlich auf ihren Kaffee oder Snack verzichten, trifft das direkt die wirtschaftliche Grundlage der Betriebe“, so Ermer. Wichtige Umsätze und Erträge werden geschmälert. Am Ende fehle genau das Geld, das eigentlich für Investitionen, höhere Löhne oder die Ausbildung junger Menschen gebraucht wird.

Die Umfrage der IHK Freiburg unter Freiburger Gastronomen und Bäckern zeigt zudem massive Auswirkungen auf den Betriebsalltag. 83 Prozent der Betriebe beklagen zusätzlichen Arbeitsaufwand, fast jeder dritte Betrieb spricht von ein bis drei Stunden Mehraufwand – täglich. „Unsere Betriebe brauchen Entlastung und keine neuen Belastungen. Die Verkäuferinnen stehen morgens im Laden, bedienen Kunden im Minutentakt – und müssen inzwischen an der Kasse Steuerregeln erklären“, so Roland Ermer. Als Hauptprobleme nennen die Betriebe in der Umfrage kompliziertere Abläufe an der Verkaufstheke, zusätzlichen Erklärungsbedarf gegenüber Kunden sowie erheblichen administrativen Mehraufwand.

71 Prozent der Unternehmer beklagen die geringe Kundenakzeptanz der Abgabe. Besonders belastend seien die zunehmenden Konflikte im Kundenkontakt. Laut IHK-Umfrage berichten 53 Prozent der Unternehmen von täglichen oder mehrmals wöchentlichen Diskussionen mit Kundinnen und Kunden im Zusammenhang mit der Verpackungssteuer. Nur 14 Prozent geben an, keinerlei Konflikte zu haben. „Die Verpackungssteuer vergiftet zunehmend die Stimmung im Verkauf“, warnt Ermer. „Die Bäckereifachverkäuferinnen werden zum Blitzableiter für politische Fehlentscheidungen. Viele Kunden reagieren genervt oder lassen ihre Ware sogar an der Kasse stehen.“ Nach Angaben der IHK kommt es immer wieder vor, dass Kunden Produkte nicht kaufen, sobald zusätzliche Verpackungskosten anfallen. Die Betriebe verlieren demnach Umsatz und langfristige Stammkunden werden verprellt. 

Auch die gewünschte ökologische Lenkungswirkung bleibt nach Einschätzung vieler Betriebe aus. 78 Prozent der Unternehmen geben an, dass Einwegverpackungen weiterhin bevorzugt werden. „Die Realität zeigt: Die Menschen wollen im Alltag praktikable Lösungen – keine Strafsteuer auf den Coffee-to-go“, erklärt Ermer. 

Die Verpackungssteuer trifft nicht internationale Großkonzerne, sondern vor allem das regionale Handwerk vor Ort. Die Betriebe des Bäckerhandwerks befinden sich ohnehin bereits massiv unter Druck. Die infolge des Iran-Konflikts gestiegenen Energie- und Kraftstoffpreise, steigende Rohstoffkosten und die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher belasteten die Branche schwer. Die Zahl der Insolvenzen steige in der Branche spürbar. „Die kommunale Verpackungssteuer verschärft diesen Druck zusätzlich, schmälert wichtige Umsätze und Erträge und gefährdet damit weitere unternehmerische Existenzen. Unsere Handwerksbäcker kämpfen jeden Tag dafür, ihre Filialen, Arbeitsplätze und die Versorgung vor Ort zu sichern“, betont Ermer. „Die Betriebe sind am Limit und können keine weiteren zusätzlichen Belastungen übernehmen. Schon gar nicht in der aktuellen Phase. Wer jetzt zusätzliche kommunale Sondersteuern einführt, riskiert am Ende leerstehende Innenstädte statt lebendiger Ortskerne.“ Sinkende Umsätze führen mittelfristig zugleich zu sinkenden Gewerbesteuereinnahmen, der wichtigsten Einnahmequelle der kommunalen Haushalte. Dessen sollten sich Kommunalpolitiker bewusst sein, wenn sie kommunale Verpackungssteuern erwägen. 

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat sich deshalb mit einem offenen Brief an den Deutschen Städte- und Gemeindebund gewandt, in dem er fordert, kommunale Verpackungssteuern dort, wo sie bereits eingeführt wurden, unverzüglich auszusetzen und auf weitere Einführungen zu verzichten. „Kommunen sollten sich sehr gut überlegen, welche Folgewirkungen neue Steuern haben: Wer starke Innenstädte und regionale Versorgung will, muss das Handwerk stärken – und nicht zusätzlich bestrafen“, bringt es Ermer auf den Punkt. Zudem sollten Städte und Gemeinden, die kommunale Verpackungssteuern erwägen, ihre Pläne überdenken und stattdessen langfristige und nachhaltige Finanzpolitik betreiben, indem sie gewerbesteuerzahlende Unternehmen fördern, statt sie weiter zu belasten und damit ihre Existenz zu gefährden. 

Den offenen Brief des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks an den Deutschen Städte- und Gemeindebund finden Sie unter diesem Link. 

 

Über den Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V.

Der 1948 gegründete Zentralverband vertritt die deutschen Innungsbäcker auf lokaler und regionaler sowie Bundes- und EU-Ebene. Als Spitzenverband des backenden Gewerbes in Deutschland verfolgt er die Interessen von deutschlandweit über 9.600 Betrieben mit knapp 240.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 16,27 Milliarden Euro in Bäckereien und Konditoreien. Der Zentralverband setzt sich auf allen politischen Ebenen gemeinsam mit den Landesinnungsverbänden und den Bäckerinnungen für die Interessen seiner Mitglieder ein und sichert bzw. verbessert so die unternehmerischen Rahmenbedingungen der deutschen Innungsbäcker. Auch die Förderung des Nachwuchses ist ein zentraler Punkt in der Verbandsarbeit. Mit Initiativen wie „Bäckman“ oder „Back dir deine Zukunft“ werden gezielt Kinder und Jugendliche auf den Beruf des Bäckers aufmerksam gemacht. Genuss- und backinteressierte Verbraucher können sich zudem über die sozialen Kanäle und die Internetseite der Innungsbäcker www.innungsbäcker.de rund um die Themen Brot, Backwaren und das Bäckerhandwerk informieren. Der Zentralverband wird durch das Präsidium des Bäckerhandwerks mit Roland Ermer als Präsidenten sowie dem Hauptgeschäftsführer Dr. Friedemann Berg vertreten. Weitere Informationen zum ZV unter: www.baeckerhandwerk.de.