Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in der EU und jedes Jahr für 1,7 Millionen Todesfälle verantwortlich. Der „Safe Hearts Plan“ ist der erste gemeinsame europäische Ansatz zur Bekämpfung dieser Erkrankungen und formuliert zehn Leitinitiativen, darunter eine „bessere Information der Verbraucher über die Lebensmittelverarbeitung in der EU“. Ziel ist es, bis 2035 die vorzeitige Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25% zu senken. Zugleich soll durch regelmäßige ärztliche Screenings eine hohe Abdeckung zentraler Risikofaktoren erreicht werden, insbesondere bei 75 bis 90% der Bevölkerung beim Blutdruck sowie 65 bis 80% bei der jährlichen Messung von Cholesterin- und Blutzuckerwerten (jeweils altersabhängig).
Im Bereich Ernährungspolitik verzichtet die EU-Kommission auf verpflichtende Instrumente und beschränkt sich zunächst auf die Prüfung möglicher Regulierung. Grundsätzlich positiv ist der gesundheitspolitisch umfassende Ansatz: Zentrale Risikofaktoren von Tabak- und Alkoholkonsum über Ernährung, Bewegungsmangel und Luftverschmutzung bis hin zu sozialen Ungleichheiten werden ausdrücklich adressiert, ohne dass den Mitgliedstaaten starre gesetzliche Vorgaben auferlegt werden.
Für die Abgeordneten des Europäischen Parlaments ist der „Safe Hearts Plan“ jedoch nicht konkret und verbindlich genug. Der für die gesundheitspolitischen Dossiers zuständige Ausschuss (SANT) arbeitet an einem Initiativbericht, mit dem er die EU-Kommission dazu aufruft, Werbung für hochverarbeitete Lebensmittel strenger zu regulieren, verbindliche Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Verpackungen einzuführen sowie rechtlich verpflichtende Obergrenzen für Salz, Zucker und Fett vorzusehen. Primär betroffen wären hiervon industrielle Lebensmittelhersteller. Je nach Definition des Begriffs „hochverarbeitete Lebensmittel“ wäre jedoch auch eine künftige Betroffenheit handwerklich hergestellter Produkte (und somit des Bäckereihandwerks) denkbar.
Über den Initiativbericht des EU-Parlaments wird am 14. September 2026 im Plenum abgestimmt.
Der Zentralverband setzt sich dafür ein, dass auf europäischer Ebene keine zusätzlichen für die Betriebe verbindlichen Pflichten zur Aufklärung von Verbrauchern über Nährwerte getroffen werden. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass traditionelle Rezepte handwerklich hergestellter Bäckereiprodukte nicht standardisierten Vorgaben zur Reduzierung von Salz und Zucker unterworfen werden.
Stand: 9. Juni 2026