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05. November 2009

Erklärung des Zentralverbandes zur europarechtlichen Belastung und zur wirtschaftlichen Situation des Deutschen Bäckerhandwerks

Zur wirtschaftlichen Situation des Deutschen Bäckerhandwerks und zu einigen europarechtlichen Belastungen geben der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Peter Becker, sowie Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhard Groebel heute folgende Erklärung ab:

1. Wirtschaftliche Situation

Die etwa 14.500 Betriebe des deutschen Bäckerhandwerks konnten ihre erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2008 auch in der ersten Jahreshälfte 2009 fortsetzen. Der Umsatz im Bäckerhandwerk lag im ersten Halbjahr 2009 auf gleicher Höhe wie im ersten Halbjahr 2008. Im Gegensatz zu vielen industriellen Wirtschaftsbereichen konnten wir auch die Beschäftigtenzahl weiter steigern um 1,2 % auf jetzt knapp unter 290.000. Der erfreuliche Umsatzanstieg darf nicht über die nach wie vor schwierige Ertragslage und harte Wettbewerbssituation im backenden Gewerbe hinwegtäuschen. Die nach wie vor sehr hohen Personal- und Energiekosten üben nach wie vor einen starken Druck auf die Ertragslage aus, der auch durch die wieder gesunkenen Rohstoffpreise nicht ausgeglichen werden kann. Insgesamt bestätigt sich die alte Erfahrungstatsache, dass unser Bäckerhandwerk in konjunkturellen Spitzenzeiten immer etwas hinter dem Trend zurückbleibt, aber auch bei konjunktureller Talfahrt eine stabile Position beibehalten kann. Wir sind zuversichtlich, dass sich diese Situation auch auf die Ausbildungsbereitschaft junger Menschen positiv auswirken wird. Derzeit beschäftigt unser Bäckerhandwerk knapp über 36.000 Lehrlinge im Bäcker- und Verkäuferbereich.

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Bäckerhandwerks in der gesamten Europäischen Union muss es unsere Mitglieder und Kunden irritieren, wenn sich die EU-Kommission neuerdings auch um eine angeblich unbefriedigende Entwicklung der Verbraucherpreise und große Preisspannen für Lebensmittel zwischen den Mitgliedsstaaten sorgt.

2. Salz in Brot und Backwaren

Unter dem Deckmantel vorgeblicher Verbraucherschutzpolitik und trotz massiver Kritik sowohl aus dem wissenschaftlichen als aus dem wirtschaftlichen Bereich hält die EU-Kommission an ihren Regulierungs¬vorschlägen für Salz in Brot und Backwaren, für die Erstellung von Nährwertprofilen und Richtwerten für Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sowie an der Vorlage einer Lebensmittelinformations-Verordnung fest. Bisher hat sich die EU-Kommission in der Diskussion um Salz in Brot und Backwaren immer darauf zurückgezogen, hier gehe es lediglich um ein gesundheitsbezogenes Werbeverbot für Produkte, die einen von der Kommission festgelegten Salzgehalt überschreiten sollten. Tatsächlich aber ist vor wenigen Tagen in Brüssel erneut deutlich geworden, dass die Kommission unter allen Umständen eine Verminderung der täglichen Salzaufnahme durch Lebensmittel und insbesondere Brot in Europa erreichen will. Sie begründet diese Zielsetzung mit erheblichen gesundheitlichen Vorteilen bei einer verminderten Salzaufnahme. Tatsächlich aber haben neuere Studien ergeben, dass lediglich bei 20 % der Bluthochdruckpatienten wirklich eine Senkung des zu hohen Blutdrucks bei verminderter Salzaufnahme nachweisbar ist. 80 % dieser Patienten und alle übrigen, gesundheitlich nicht vorbelasteten Menschen verzeichnen keinerlei negative Auswirkungen.

Präsident Peter Becker: „Wir haben die Bundesregierung um nachdrückliche Unterstützung unserer Auffassung gebeten, dass es nicht zu einer europaweiten Festlegung von Richtwerten für Salz und andere natürliche Lebensmittel-Inhaltsstoffe kommen darf. Wir wollen kein europäisches Einheitslebensmittel, sondern wir wollen nationale, regionale und lokale Produkte auch in Zukunft ohne Verstoß gegen irgendwelche von EU-Kommissionsbürokraten erdachten Regelungen herstellen und verkaufen dürfen. Vor allen Dingen wollen wir keine chemisch hergestellten Ersatz-Geschmacksstoffe in unseren Produkten anstelle von Salz verarbeiten.“

Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhard Groebel: „Die EU-Kommission ignoriert bewusst wissenschaftliche Erkenntnisse im Zusammenhang mit der täglichen Salzaufnahme und zieht lediglich solche Studien und Gutachten als Begründung für ihre politische Zielsetzung einer Salzreduktion heran, die dieser Zielsetzung entsprechen. Die wissenschaftliche Beweisführung bleibt dürftig; zugleich schätzen Millionen von Verbrauchern in Europa ihre regionalen Brotspezialitäten und lehnen die von der Kommission weiterhin verfolgte Bevormundung ab.“ Auch der europäische Dachverband der nationalen Bäcker- und Konditorenverbände CEBP spricht sich dafür aus, dass unverpackte Lebensmittel, die überhaupt nicht im europäischen grenzüberschreitenden Verkehr gehandelt werden, keiner europäischen Einheitsgesetzgebung unterworfen werden sollten.

Wir bitten die Bundesregierung nachdrücklich, dafür Sorge zu tragen, dass sich die EU-Kommission endgültig von ihren Plänen für eine Reduzierung des Salzgehaltes bei Brot und Backwaren und damit von ihren Plänen zur Einschränkung der Rezepturfreiheit für unsere Produkte verabschiedet.

3. Nährwertprofile

Nach wie vor bemüht sich die EU-Kommission, auf der Grundlage des Artikels 4 der EU-Health-Claims-Verordnung (Einführung von Nährwert¬profilen für Lebensmittel) Nährwertprofile und Richtwerte für Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auch im Bezug auf Brot und Backwaren zu definieren. Obwohl die wissenschaftliche Haltbarkeit und vor allem die Praxistauglichkeit solcher Nährwertprofile mittlerweile flächendeckend bezweifelt werden, obwohl aus dem EU-Parlament heftiger Widerstand gegen die Erstellung solcher Nährwertprofile deutlich wird, bleibt die EU-Kommission uneinsichtig auf ihrem falschen Weg. Das überrascht umso mehr, weil beispielsweise aufgrund der untauglichen Nährwertprofile ausgerechnet so genannte Imitat-Lebensmittel eine besonders positive Bewertung erhalten – also solche Lebensmittel, gegen die wir und unsere Kunden massiv Position beziehen (Beispiel: so genannter Analog-Käse; aufgrund der Verwendung von Pflanzenfett anstatt der aus der Milch herrührenden tierischen Fette wäre dieser im Sinne der Nährwertprofile gesundheitlich empfehlenswerter als das Naturprodukt).

Präsident Peter Becker: „An diesem Beispiel lässt sich die gesamte Fragwürdigkeit des Konzepts der Nährwertprofile leicht erkennen; dieses völlig untaugliche Konzept ist wissenschaftlich nicht einmal annähernd abgesichert; es wird keinen sinnvollen Beitrag zur Verbraucherinformation oder zur Veränderung der Ernährungsgewohnheiten unserer europäischen Mitbürger leisten können. Wir haben deshalb die Bundesregierung gebeten, in Brüssel dafür Sorge zu tragen, dass – entsprechend dem Vorschlag der zuständigen Berichterstatterin im Europaparlament, Dr. Renate Sommer, MdEP – eine ersatzlose Streichung des Artikels 4 der so genanten Health-Claims-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006) vorgenommen wird.“

Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhard Groebel: „Unsere eindeutige Ablehnung der EU-Kommissionsplanungen im lebensmittelrechtlichen Regelungsbereich wird gestützt durch die bekannte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, in der es betont, dass die europäische Vereinigung nach wie vor eine Vertragsunion souveräner Staaten ist und den Mitgliedsstaaten ein ausreichender Raum zur politischen Gestaltung der wirtschaftlichen, subkulturellen und sozialen Lebensverhältnisse verbleiben muss. Der gesamte Lebensmittelbereich ist ein Bereich, in dem sich unterschiedliche nationale Besonderheiten entfalten können, ohne dass dies negative Auswirkungen auf den Binnenmarkt haben muss.“

Das deutsche und europäische Bäckerhandwerk erwartet von der EU-Kommission, dass sie diese Rechtssetzungsvorhaben fallen lässt und künftig mehr Rücksicht auf die Belange derjenigen Betriebe der Lebensmittelwirtschaft nimmt, die an einer sinnlosen europäischen Rechtsvereinheitlichung überhaupt kein Interesse haben können. Die kulturelle Vielfalt Europas spiegelt sich nicht zuletzt in der Vielfalt der Lebensmittel der Mitgliedsstaaten wider. Diese wollen wir erhalten und nicht unter einem dichten Netz von Verordnungen und anderen Regulierungen ersticken.

4. Kampagne des Bäckerhandwerks für ein ausgewogenes Frühstück

Jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland ist übergewichtig – eine Folge mangelnder Bewegung und unausgewogener Ernährung, die oft durch Heißhungerphasen, z. B. aufgrund des versäumten Frühstücks, bedingt oder zumindest verschlimmert wird. Mit der deutschlandweiten Kampagne „Richtig frühstücken-kinderleicht“ will das Bäckerhandwerk Kinder und Eltern über den Wert und die Bedeutung eines ausgewogenen Frühstücks informieren. Kernstück der Kampagne ist das selbst entwickelte Brettspiel „Wer wird Frühstücks-König?“, das deutschlandweit mehr als 30.000 Kindergärten und Kindertagesstätten erhalten werden. Mit dem Spiel lernen die Kinder spielerisch, was zu einem ausgewogenen Frühstücks dazu gehören kann, das Bewegung etwas Positives ist und Spaß macht und wie man sich in bestimmten Situationen richtig verhält.

Im Bild (v. l. n. r.): Geschäftsführer Dr. Matthias Wiemers, Geschäftsführer Amin Werner, Präsident Peter Becker und Hautgeschäftsführer Dr. Eberhard Groebel.

Pressekontakt:
Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V.
Präsident Peter Becker
Hauptgeschäftsführer Dr. Eberhard Groebel
Tel. (030) 20 64 55 – 0
E-Mail: zv@baeckerhandwerk.de

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